Gäubodenmuseum Straubing = Station der Deutschen Limes-Straße

Quelle/Autor: Dreamango

Beschreibung

Die Donaugrenze im östlichen Teil der römischen Provinz Raetien, d.h. in Ostbayern, wurde um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. mit kleinen Truppenlagern versehen, die der Überwachung des Verkehrs auf dem Fluss oder auch als Stationen für Schiffsbesatzungen dienten. Funde lassen erahnen, dass eine solche Station auch in Straubing auf dem Kirchhügel von St. Peter lag.

Um diese Zeit wurde in Straubing eine natürliche Bucht zu einem befestigten Hafen mit Kai und mehreren Piers ausgebaut. Einen natürlichen Strand nutzte man zum Reparieren der Schiffe. Gleichzeit errichtete man das Westkastell, in dem eine fünfhundert Mann starke Reitertruppe stationiert war. Etwa zehn Jahre später entstand das Ostkastell. Es war eine zweite Militäranlage, die für tausend Mann Besatzung vorgesehen war. Spätestens kurz vor der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. zog dort eine tausend Mann starke teilberittene Einheit ein. Damit wurde Straubing die bedeutendste römische Militäranlage am ostraetischen Limes. In der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts entwickelte sich zu den Truppenlagern eine ausgedehnte Zivilsiedlung, in der viele Spezialhandwerker tätig waren. Geschätzt lebten damals ca. 5000 Menschen in Sorviodurum.

Unter Kaiser Antoninus Pius, also etwa Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr., zogen düstere Wolken nördlich der Donau auf: Es waren die Vorboten der Markomannenkriege. Es kam zum Ausbau vieler Militäranlagen in Stein, darunter der von Sorviodurum. Das römische Sorviodurum wurde in den siebziger Jahren des 2. Jahrhunderts stark in Mitleidenschaft gezogen. Teile der Zivilsiedlung und das Westkastell wurden zerstört. Danach errichtete man neue Häuser in der Zivilsiedlung, das Westkastell wurde jedoch nicht mehr belegt, im Hafen waren spätestens ab diesem Zeitpunkt nur noch die Kais in Funktion, die Piers verfielen.

Diese mittelkaiserzeitliche Siedlung von Straubing findet in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. durch Bürgerkriege und Germaneneinfälle ihr Ende. Aus dieser Zeit stammt auch der weithin berühmte römische Schatzfund von Straubing. Auf dem Gelände einer Villa, die unweit von den Kastellen liegt, fanden Arbeiter 1950 einen umgestülpten Kupferkessel mit sogenannten Paraderüstungen. Zu diesen Rüstungen gehören fünf Gesichtshelme vom hellenistischen Typ, drei vom orientalischen. Auch mehrere Beinschienen sind erhalten. Besonders prächtig sind Roßstirnen, die Panzer der Pferdeköpfe. Weitere Waffen, religiöse Statuetten, agrarisches Gerät, Teile vom Wagen und Werkzeuge ergänzen dieses sensationelle Ensemble.

An den größeren Kastellorten endete nach diesen Zerstörungen das römische Leben jedoch nicht; es entwickelten sich neue spätantike Befestigungen. Das spätantike Kastell liegt auf dem Kirchhügel von St. Peter. Teile seines Inneren und vor allem der Ausbruchsgraben einer Mauer konnten ergraben werden. Vermutlich der Juthungeneinfall 357/58 wirkte verheerend auf Ostbayern. Viele Militärstandorte, darunter Straubing, wurden beschädigt, das ländliche Leben kam fast vollständig zum Erliegen. Die Lager existierten bis weit ins 5. Jh. weiter, aber es fand verstärkt ein Zuzug von Germanen statt. Es ist die spannende Zeit, in der die letzte spätantike Bevölkerung in den langsam entstehenden Stamm der Baiern aufgeht.

Straubing: Fundstücke aus Sorviodurum, dem römischen Straubing sind im Gäubodenmuseum Straubing (www.gaeubodenmuseum.de, Fraunhoferstr. 23, 94315 Straubing) zu bewundern.

[>> Weitere Informationen auf der Internetseite der Deutschen Limes-Straße]

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