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Grundbücher der österreichischen Literatur seit 1945
Otto Saxinger
Die Veranstaltung
GREGOR VON REZZORI, geboren 1914 in Czernowitz, Bukowina, Österreich-Ungarn, gestorben 1998 in Reggello, Italien. Journalist, Autor und Filmschauspieler. 1919–1940 rumänischer Staatsbürger, danach staatenlos, ab 1984 österreichischer Staatsbürger. Gymnasien in Siebenbürgen, Steiermark und Wien, Studien in Leoben und Wien, danach Zeichner und Dekorateur in Bukarest, ab 1938 in Berlin, dann in Schlesien. Erste Romanveröffentlichung: „Flamme, die sich verzehrt“, 1940; nach 1945 in Hamburg, Hörfunkarbeiten, Reportagen u. a. von den Nürnberger Prozessen. „Maghrebinische Geschichten“ im Nachtprogramm des NWDR, 1953 als Buch mit internationalem Erfolg. Gesellschaftsjournalist und -autor, u. a. von „Männerfibel“; „Adel“; „Schickeria“, zuletzt für den ORF und den „Kurier“. Mehrere Ergänzungsbände zu den „Maghrebinischen Geschichten“. Weitere literarische Bücher u. a.: „Oedipus siegt bei Stalingrad“, 1954; „Der Tod meines Bruders Abel“, 1976; „Memoiren eines Antisemiten“, 1979/2004, Vorwort Péter Nádas; „Kurze Reise übern langen Weg“, 1986; „Greisengemurmel“, 1994/2005, Vorwort Péter Esterházy; „Mir auf der Spur“, 1997.
Zum Buch: „Was ist – geschändet wird nicht?“, rufen erschüttert die Eunuchen in Gregor von Rezzoris Maghrebinischen Geschichten. Ihr Ausruf ist exemplarisch für das Pendelspiel zwischen Komik, Abgründigkeit und kultureller Provokation, das die lose gefügten Episoden prägt. Mit seiner unvergleichlichen Melange aus Erinnerung und Fiktion unterwandert Rezzori satirisch verkrustete Gesellschafts- und Moralvorstellungen und formt aus historischen Umbrüchen ein vielschichtiges Wimmelbild. Seine von Ironie und Melancholie durchwirkte Sprachkunst behauptet in der deutschsprachigen, zumal der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts – Rezzori wurde 1984 nach Jahrzehnten der Staatenlosigkeit de facto österreichischer Staatsbürger – eine durchaus eigenwillige Position. (J. Wilm)
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