Burg-Innenhof bei großer Buche

Die Buche rechts im Bild
Palas

Beschreibung

BERGFRIED

Die Neuburg war ursprünglich eine eher kleine Burg. Das Mauerwerk des Bergfriedes besteht fast durchwegs aus Lesesteinen, die in der Umgebung reichlich vorhanden waren. Sie finden im Mauerwerk Schrattenkalk oder Grobschotter, ebenso wie Quarzsandsteine, Gneise aus der Silvretta und Kalksteine aus dem Rätikongebiet, die der Illgletscher vor vielen tausend Jahren hierher transportierte. Auf der dem Innenhof zugewandten Seite des Bergfriedes finden sie, wenn sie genau schauen, einen kaum mehr sichtbaren Stempel seiner Bauzeit. Unter einer langsam abblätternden, grauen Außenputzschicht kommt eine ältere, bräunliche Schicht zum Vorschein. In diese wurden geometrische Kellenstrichfugen eingetieft. So wurden im Hochmittelalter (1000 bis 1250) Mauer-Oberflächen verschönert. Der Bergfried hatte ursprünglich drei Geschoße und mit großer Wahrscheinlichkeit eine offene Wehrplatte mit Zinnenkranz als Bedachung. Die auf alten Darstellungen zu sehenden Walmdächer wurden erst später draufgesetzt. Rechts oben in der Mauer sehen sie drei Kaminlöcher. Bei der Restaurierung dieser Mauer 1995 wurde festgestellt, dass dieser Teil unter starker Feuereinwirkung gestanden sein muss. Tatsächlich befand sich auch im 2. Geschoß eine Rauchküche. Ihre tuffsteinumrandete Kaminschürze und ein konisches Zugloch wurden später zugemauert, sind aber noch deutlich erkennbar. Der Eingang zum Turm war auf der Südseite auf Höhe dieser Rauchküche. Dieser Hocheingang hatte, wie für viele Burgen, Schutzfunktion und war der kürzeste Weg zum Wasser, zur Hofzisterne. Auf der Ostseite des Bergfriedes ist ein Zwinger vorgelagert, der bereits aus einer frühen Bauperiode stammt. Allerdings ist hier das Mauerwerk fast völlig abgegangen. Von diesem Zwingerstandort aus, vorgelagert auf einer Felsnase, konnte man sowohl den alten, als auch den neueren Burgaufgang gut überwachen.

 ZISTERNE

Die Zisterne ist ein Unikum. Da auf dem Felskopf keine Quelle sprudelte, musste ein großer Speicher angelegt werden. Der untere Teil des Brunnens ist zur Gänze in Fels gemeißelt und mit schön behauenen Quadersteinen von etwa 30 x 60 cm sorgfältig ausgemauert. Das Becken ist 4,5 m tief und hat jeweils 1,8 m Seitenlänge. Es fasst rund 15000 Liter Wasser. Das Wasser gelangte von den Dächern der Burg durch eine rissige Felszone und durch eine Kiesfilterschicht in das Becken. Wie sie sehen, wurde der oberste Wasserschacht in der Breite vergrößert. Und da Wasser Dunkelheit braucht, war der Brunnen auch überdacht.  

Nun wenden wir uns dem schönsten und größten Bauwerk der Neuburg zu, dem Palas. Seine Ausmaße sind beträchtlich. Bauart, Mauerwerk und Lage lassen eine Errichtung im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts annehmen. Das mittels einer (dendrochronologischen) wissenschaftlichen Untersuchung festgestellte Fälldatum eines Trägerbalkens lässt auf die Erbauung kurz nach 1295 schließen. Die unterschiedlichen Maueranschlüsse lassen erkennen, dass immer wieder Erweiterungen und Änderungen am Gebäude erfolgt sind. Sie können senkrechte Mauerfugen finden, die auf einen Anbau schließen lassen, während gleichzeitig errichtete Mauern ineinander verbunden sind.

PALAS

Wenn sie nun Richtung Süden schauen, haben sie zur linken Seite den sogenannten Palas 1 und rechts den Palas 2. Beim Heraufgehen haben sie bereits in den Keller, bzw. Speicher   geschaut. Der Keller erhielt nur spärlich Licht durch drei Schlitzfenster. Den Zugang ermöglichte eine einflügelige Türe mit einer in den Fels gemeißelten Schwelle. Der Verwendungszweck des Kellergeschoßes im Palas ist nicht sicher festzustellen, da einige Fensterschlitze nachträglich verbreitert worden sind. Das gesamte erste Geschoß hatte eine Balken-Bretter-Decke, die in beiden Räumen auf einem Unterzugbalken mit Mittelstützpfeiler ruhte. Die Decken des zweiten Geschoßes waren grundverschieden. Jene von P1 bestand wahrscheinlich aus starken Dielen, die auf den heute noch sichtbaren Mauerschlitzen ruhten, während bei P2 ein repräsentativer Saal erkennbar ist, den an der Süd- und Nordwand Sandsteinkonsolen zierten. Auf Ihnen ruhte das Deckengebälk und der Bretterboden. Von diesem Saal aus führte, nach einigen Tragbalkenlöchern in der Südwand zu schließen, eine Stiege in den vermutlich darunterliegenden Küchenraum. Eine Stiege führte in das dritte Geschoß direkt zum Wehrgang.

Schauen sie einmal ganz genau hinter die Palas-Mittelwand. Dort können sie ein seltenes, aber sehr praktisches Detail finden, einen „Fergger“. Dieser Wasserausguss, durch den Flüssigkeiten durch einen schrägen Wandkanal in der Südwand nach außen abrinnen konnten, konnte von beiden Räumen aus benützt werden. Von seiner Sandsteinrinne blieb ein Stück erhalten. Im dritten Geschoß lagen die Zimmer und Kammern der Burgherrschaft. Es müssen gastliche Räume gewesen sein, mit nach damaligen Verhältnissen großen Rundbogenfenstern und auf der Sonnenseite gelegen. An der Außenseite des 3. Geschoßes führte ein Wandelgang entlang der Nordwand. Er stand über eine gedeckte Holzbrücke in direkter Verbindung zum Bergfried, so wie es heute noch in der Schattenburg in Feldkirch zu sehen ist. Bei den Restaurierungsarbeiten kamen in den Außenwänden des 3. Geschoßes Tragbalkenlöcher zum Vorschein. Ihre Lage liefert den Beweis für einen außen an der Ost- Süd- und Westwand vorhandenen Wehrgang oder Söller, der über einen Ausstieg im 3. Geschoß zugänglich war. Ein Stiegentritt und ein Schubbalkenloch bestehen heute noch. Der Palas war, wie auf historischen Bildern zu sehen, mit einem Satteldach mit Walmen gedeckt.

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6842 Koblach, Österreich
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